Archiv: Anekdote
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Noch ein Weg
John Abell wurde durch Bären zum Singen gezwungen. Ein späterer Tenor—Garcia—wurde von etwas noch Wirksamerem überzeugt: Ausbuhen. Während einer der regelmäßigen Revolutionen in Mexiko tourte Garcia durchs Land und beschloss, nach Vera Cruz an die Küste zu gelangen, um in ruhigere Gegenden zu entkommen. Unterwegs wurde er von Freibeutern überfallen und bis aufs Hemd ausgeraubt—Gepäck,…
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Opern‑Halsschmerzen
Operndirektoren lernen schnell: Eine „Erkältung“ kann manchmal genauso strategisch wie medizinisch sein. Ronconi und seine Frau sangen in derselben Truppe. Immer wenn sie verärgert war—weil sie mit jemandem singen sollte, den sie nicht mochte, oder weil man sie ganz überging—bekam Ronconi plötzlich ein mysteriöses Halsleiden. Er ließ ausrichten, es sei schlicht unmöglich zu singen. Eines…
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Leoncavallos launige Meinung über seine „Clowns“
Komponisten mögen Witze auf eigene Kosten nicht immer—erst recht nicht, wenn sie dabei wie Plagiatoren aussehen. Ruggero Leoncavallo meinte jedoch, diese Geschichte sei zu gut, um sie für sich zu behalten. In der Stadt Forlì hörte er, dass seine Oper *Pagliacci* („Clowns“) gespielt werde. Er beschloss, inkognito hinzugehen; kaum jemand wusste, dass er überhaupt in…
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Mozarts Eingeständnis
Wahre Genies scheuen sich nicht, einen Hinweis anzunehmen—manchmal aus der unerwartetsten Richtung. In Mozarts Oper *Die Hochzeit des Figaro* gibt es einen stotternden Richter. Mozart wollte, dass der Sänger Michael Kelly die Rolle durch die ganze Oper hindurch stottert—nur nicht in einem besonders geliebten Stück, einem Sextett. Er fürchtete, das Stottern könnte die Musik verderben.…
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Ein Geigerstreich
Arcangelo Corelli bekam einmal Besuch von einem reisenden deutschen Geiger namens Strunck. Nach höflichem Gespräch bat der Gast Corelli zu spielen. Corelli tat es und gab sich alle Mühe, zu gefallen. Dann erwiderte Corelli die Höflichkeit und bat Strunck zu spielen. Der Deutsche spielte—absichtlich—nachlässig, und Corelli, stets großzügig, lobte seine Bogenführung und meinte, mit Übung…
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Äußeres Erscheinungsbild
Kleidung und Pflege können Persönlichkeit signalisieren—aber sie taugen kaum als Messgerät für musikalisches Genie. Ein geschniegelt wirkender Herr kann musikalisch genauso stark sein wie der wildhaarige „Beethoven‑Typ“, und ein schlaksiger, unbeholfener Mensch kann die Seele eines Mozart oder Chopin in sich tragen. Wer an Klischees glaubt, wird bei den Meistern enttäuscht. Bach stellt man sich…
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Ein Lied für vierzig
Vor 1750 wurde musikalische „Größe“ oft wie ein Technik‑Wettbewerb behandelt: Der beste Komponist war der, der die meisten unabhängigen Melodien zu einem stimmigen Ganzen verweben konnte. Gegen Ende dieser langen Epoche des Kontrapunkts ging es jedoch weniger um bloße Menge als darum, wenige Stimmen wirklich bis ins Letzte auszubauen—wie bei Bach und Händel. Trotzdem liebten…
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Die Temple‑Orgel
Unter Oliver Cromwell betrachteten puritanische Soldaten Kirchenorgeln als feindliche Maschinen. Sie rissen sie nieder, verspotteten sie als „quiekende Scheußlichkeiten“, schmolzen die Pfeifen zu Kugeln ein und zogen sogar durch die Straßen, um auf den geretteten Pfeifen zu blasen—oder sie für ein paar Krüge Ale zu verpfänden. Nach der Restauration wurden die Kathedralgottesdienste wieder aufgenommen, und…
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Wie man ein erfolgreiches Debüt sichert
Ein Debüt kann an der Stimmung im Saal hängen. Manchmal organisieren Gegner eine Kabale, um eine Sängerin scheitern zu lassen. Manchmal sorgen Freunde – oder Manager – dafür, dass es andersherum läuft. Als die schwedische Sopranistin Christine Nilsson erstmals dem englischen Publikum vorgestellt wurde, war sie nahezu unbekannt. Ihr Impresario, Colonel Mapleson, einer der bekanntesten…
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Ein unwissender Tenor
Der Tenor Campanini machte sich einmal einen Feind – wegen eines einfachen Kofferaufklebers. Sein Rivale Fancelli konnte kaum lesen oder schreiben, entzifferte aber auf Campaninis Gepäck den Titel „Primo Tenore Assoluto“. Das Wort *assoluto* („absolut“, „unübertroffen“) brachte ihn zur Weißglut, denn dieser Ruhmestitel gehörte seiner Meinung nach ausschließlich ihm. Fancellis Unbildung war berüchtigt. Früher war…