Archiv: Anekdote
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Jomelli hält an, um ein Pferd zu sehen
Reisen ging langsam, und ein Komponist unterwegs hatte Zeit, alles zu beobachten. Jomelli eilte einmal in Mailand wegen einer dringenden Angelegenheit durch die Straßen, als ihn eine Menschenmenge aufhielt: Ein durchgegangenes Pferd war endlich eingefangen worden. Jomelli mochte keine Verzögerungen und wollte sich durchdrängen. Die Leute hielten ihn zurück: „Warten Sie einen Moment—Sie werden etwas…
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Haydns Rat: Schreib ein neues Stück
Haydn war der musikalische Star Wiens, und junge Komponisten baten ihn ständig um Rat. Ein Pianist namens Kozeluch schrieb ein Es-Dur-Konzert und wollte es Haydn widmen. Er schickte die Partitur und fragte, wie die Widmung lauten solle. Haydn antwortete höflich, aber offen. Er könne die Widmung nicht annehmen, sagte er, weil das Konzert einem seiner…
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Dann soll eben der Feldmarschall singen
Über Gabriella sagte man, sie sei großzügig und freundlich, doch sie wusste auch, was ihre Kunst wert war. Als Kaiserin Katharina II sie nach St. Petersburg rief, um am Hof zu singen, war das Honorar vorher nicht festgelegt worden. Kurz nach ihrer Ankunft fragte die Kaiserin beiläufig, zu welchen Bedingungen sie vor dem Hof auftreten…
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Porporas versehentliche Ketzerei
In der Kirchenmusik werden heilige Worte manchmal zum Vorwand für Effekte. Wenn die Musik großartig ist, verzeiht man Wiederholungen—man denke an Händels gewaltigen ‚Amen‘-Chor im Messias, eine brillante Fuge aus einem einzigen Wort. Gefährlich wird es, wenn der Komponist nicht Händel ist. In lateinischen Liturgietexten werden Wendungen oft wiederholt, und wer die Sprache nicht wirklich…
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Lullys Taktstock-Unfall endete mit Amputation
Jeder Dirigent hat seine Eigenarten: manche zeichnen Kreise in die Luft, manche pumpen stur auf und ab, andere fuchteln so wild, dass man sich fragt, wie irgendwer den Takt halten soll. Mark Twain spottete einmal, vieles Dirigieren sei nur ‚ornamentales Winken‘. Bei Jean-Baptiste Lully hatte dieses Winken allerdings Folgen. Als er vor Ludwig XIV ein…
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Gib mir die Dukaten
Viele große Komponisten hatten wenig übrig für Orden, Bänder und Ehrenzeichen. Die Universität Oxford machte Haydn zum Doktor der Musik—man kann sich vorstellen, wie Beethoven auf solche Pracht reagiert hätte. Seine Haltung zeigte sich, als der preußische Botschafter in Wien ihm die Wahl ließ: fünfzig Dukaten bar oder die Insignien eines hohen Ordens. Beethoven zögerte…
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Camporese beruhigt einen Patienten mit Gesang
Geschichten darüber, dass Musik den Wahnsinn “heilt”, klingen manchmal wie Märchen—nehmen Sie diese also für das, was sie wert ist. Als Madame Camporese in Mailand sang, erzählte man ihr von einem Mann im Krankenhaus, der zum Musikfanatiker geworden und nach dem Scheitern einer seiner Opern wahnsinnig geworden sei. Als er von ihrer Ankunft hörte, verlangte…
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Das Gedächtnis eines Jungen
Ein Teil des Gottesdienstes in der päpstlichen Kapelle in Rom wurde wie ein Geheimnis im Archiv verwahrt. Das berühmte Miserere von Allegri war streng geschützt: Jeder Sänger, der es kopierte oder auch nur eine Note nach außen gab, riskierte Exkommunikation. Nur drei autorisierte Abschriften wurden jemals verschickt: eine an Kaiser Leopold, eine an den König…
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Malibrans Pantoffeln werden zum Souvenir
Madame Malibran war nicht nur ein Opernstar – sie war berühmt für ihre Großzügigkeit. Auf einer Station in Venedig fand sie ein brandneues Theater am Rand des Bankrotts. Der Direktor hatte ein Vermögen in die Fertigstellung gesteckt und darauf gehofft, der König werde zur Eröffnung erscheinen und den Saal füllen. Dann starb der König, und…
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Hohe Kunst
Selbst Theaterleute — an gutes Spiel und künstlich dargestellte Gefühle gewöhnt — können von echter Kunst überwältigt werden. In Rom passierte das dem Sänger Gaspare Pacchierotti, einem berühmten Vokalisten des letzten Jahrhunderts. In einer Oper sang er so schön und so wahrhaftig, dass nach einer Solo‑Stelle, auf die eigentlich ein kurzer orchestraler Zwischensatz folgen sollte,…