Archiv: Anekdote
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Eine Melodie für 176 Verse
Plutarch berichtet, Solon habe die Athener einmal in den Krieg getrieben, indem er ihnen eine Elegie von hundert Versen vorsang, die er selbst verfasst hatte. Das klingt plausibel: Eine Menge zu zwingen, sich ein Lied mit hundert Strophen anzuhören, könnte in jedem Jahrhundert die Gemüter erhitzen. Doch es gibt eine noch erstaunlichere Überlieferung. Der Autor…
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Handels Entschuldigung auf der Themse
Bevor Handel nach England ging, war er Kapellmeister beim Kurfürsten von Hannover. Dann wurde er unzufrieden und verließ den Dienst seines königlichen Gönners ohne Erlaubnis und ohne große Förmlichkeit. Kurz darauf war Handel in London bestens etabliert und genoss die Gunst von Hof und Aristokratie. Dann drehte sich die Politik: Der Kurfürst von Hannover wurde…
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Bülow probt die Pausen
Einen guten Dirigenten dabei zu beobachten, wie er ein Orchester drillt, kann faszinierend sein—vor allem, wenn der Leiter ein strenger Antreiber ist. Kommen tausend Eigenheiten und ein heißes Temperament hinzu, wird die Probe zur Show. Ein solcher Dirigent war Hans von Bülow. Trotz seiner Exzentrik und Wutausbrüche gehörte er zu den besten Orchesterleitern seiner Zeit.…
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Paganinis Konzert mit dem Holzschuh
Paganini gilt oft als musikalischer Geizhals, doch diese Geschichte zeigt ihn von einer freundlichere Seite. Eines Morgens in Paris kam seine Dienstmagd weinend zu ihm: Ihr Geliebter war zum Militär eingezogen und in den Krieg geschickt worden, und sie war zu arm, um einen Stellvertreter zu kaufen. Paganini beschloss zu helfen—und tat es auf höchst…
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Liszt und die „siebenstöckigen Melodien“
Wagners Musik wurde lange wegen ihrer dichten Harmonien und riesigen Klangballungen verspottet. Doch schon in den letzten Jahrzehnten ließ der Spott nach, und eine zumindest teilweise Anerkennung trat an seine Stelle—ein gutes Zeichen für musikalische Bildung. Manche nennen Wagner „melodielos“. Oft ist das Gegenteil der Fall: Stellenweise sind es zu viele Melodien zugleich—zu viel Polyphonie…
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Berlioz’ erfundener Komponist
Kritisieren ist leicht—vor allem scharf zu kritisieren. Ein Rezensent kann in zehn Minuten eine Partitur zerreißen, die einem Komponisten zehn Jahre Gedanken gekostet hat, und viele sogenannte Musikkritiker besitzen nicht einmal einen Bruchteil des Wissens oder der Begabung der Menschen, über die sie spotten. Einige Komponisten konnten sich mit der Feder ebenso wehren wie mit…
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Farinelli singt einen König zurück in den Alltag
Man sagt, Musik habe die Kraft, selbst das Wilde zu besänftigen. Ein berühmtes Beispiel ist David, der König Saul mit seinem Spiel beruhigt. Eine andere Geschichte erzählt vom Einfluss des gefeierten Tenors Farinelli auf Philipp V. von Spanien. Philipp litt an einer milden Form von Wahnsinn. Er weigerte sich, sich ordentlich anzuziehen oder rasieren zu…
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Malibran besteht auf jeder Guinee
Maria Garcia—besser bekannt als Madame Malibran—hatte keinen leichten Anfang. Ihr Vater, ein feuriger und anspruchsvoller Lehrer, trieb sie hart an; jahrelang stand sie mit ihm auf der Bühne, auch auf Tourneen durch Amerika. Als ein Mann namens Malibran sich als wohlhabender Bankier ausgab, sah sie die Ehe als Fluchtweg. Es wurde keiner: Er hatte kaum…
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Eine Geige ganz leicht verdient
Paganinis unerbittlicher Fleiß und sein Üben in jungen Jahren gaben ihm später eine solche Beherrschung der Geige, dass er kaum noch üben musste—seine häufigen Konzerte reichten. Sein musikalisches Wissen und seine schnelle Auffassung sollen so groß gewesen sein, dass man behauptete, er könne alles, was für sein Instrument geschrieben war, vom Blatt spielen. In Parina…
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Schuberts Serenade
Wie Beethoven trug auch Franz Schubert ein kleines Notizbuch bei sich, um musikalische Einfälle sofort festzuhalten. Viele schöne Themen wären ohne diese Gewohnheit verloren gegangen. Wenn die Muse schlief, konnte das Heft mit Funken aus besseren Zeiten wieder wecken. Wo immer er war—in der Stadt oder auf dem Land, in der Schenke oder im Biergarten—kam…