Handels Entschuldigung auf der Themse
Bevor Handel nach England ging, war er Kapellmeister beim Kurfürsten von Hannover. Dann wurde er unzufrieden und verließ den Dienst seines königlichen Gönners ohne Erlaubnis und ohne große Förmlichkeit.
Kurz darauf war Handel in London bestens etabliert und genoss die Gunst von Hof und Aristokratie. Dann drehte sich die Politik: Der Kurfürst von Hannover wurde als George I. König von England. Handel fürchtete plötzlich um seine Pension. Er wagte kaum, persönlich am Hof zu erscheinen und den ehemaligen Patron um Verzeihung zu bitten, den er so unhöflich verlassen hatte.
Ein Freund am Hof verriet ihm, dass der König an einem bestimmten Tag eine Lustfahrt auf der Themse unternehmen werde. Handel machte sich sofort an die Arbeit: Er komponierte eine Reihe von Stücken und ließ sie von einer Musikgruppe auf einem Boot spielen, das der königlichen Barke folgte.
Der König war entzückt und fragte, wer den Plan erdacht habe. Als er erfuhr, dass Handel die Musik geschrieben hatte, nahm er den reuigen Komponisten wieder am Hof auf. Handel wurde bald zum Lehrer der Prinzessinnen ernannt und erhielt eine Pension von 200 Pfund im Jahr—ein Glück, mit dem er nicht zu rechnen gewagt hatte.
In einer Welt, in der die Vorlieben des Königs den Ton für den ganzen Hof angaben, war königliche Gunst unbezahlbar. Handel brauchte später die Unterstützung seiner aristokratischen Freunde, und diese kluge Fluss‑Geste sicherte ihm die Rückendeckung.