Archiv: Anekdote

  • Eine abrupte Modulation – aber bitte mit Grund

    Eine klassische Trennlinie zwischen „alter“ Oper und moderner Schule ist die Modulation – wie oft und wie plötzlich die Musik die Tonart wechselt. Mozart, Cimarosa, Spontini und andere modulierten vergleichsweise selten, und wenn sie die Grundtonart verließen, geschah das klar und formal. Im späteren Stil – bei Wagner, Mascagni und auch beim älteren Verdi –…

  • Das „Ochsen‑Menuett“

    Viele Titel von Musikstücken ergeben eigentlich keinen Sinn. Manchmal sind sie bloß Marketing – damit ein Verleger das Stück besser verkauft. Und manchmal entsteht ein Name aus einem Vorfall, der so zufällig ist wie dieser. Eines Tages bekam Joseph Haydn Besuch von einem Metzger. Der erzählte, er und seine Tochter seien große Bewunderer von Haydns…

  • Ein Konzertsaal über dem Kohlelager

    Thomas Britton lebte im London der Händel‑Zeit – und seine Geschichte lässt einen fragen, ob Musik früher leichter zwischen Klassen vermittelte als heute. Britton verdiente sein Geld als Kohlenhändler, ein „small‑coal man“. Trotzdem liebte er Musik. Über seinem Kohlelager richtete er einen Dachboden so her, dass er ein Publikum fassen konnte – und die Leute…

  • Sie zittert am ganzen Körper

    Queen Victoria soll ein sehr genaues Gehör gehabt haben und selbst gut Klavier gespielt haben. Baroness Bloomfield erzählt eine kleine Szene, die sowohl Victorias musikalische Wachheit als auch ihren trockenen Humor zeigt. Bei einem Anlass bat die Königin Bloomfield zu singen. Vor Nervosität zitternd sang die Baroness eine bekannte Arie von Giulia Grisi – ließ…

  • Dranbleiben

    Zur Virtuosität gibt es keine Abkürzung – nur stures, endloses Üben. Die Geschichte des Geigers Lolli zeigt das in einer einzigen, klaren Kurve. Als Lolli nach Stuttgart kam, traf er auf einen Rivalen: Nardini, so überlegen, dass Lolli sich völlig in den Schatten gestellt fühlte. Statt das zu überspielen, tat er etwas Ehrliches – und…

  • Musik bezahlt pro Note

    Manche können nicht widerstehen, Kunst in Zahlen zu pressen. Ein Autor versuchte sogar auszurechnen, wie viel berühmte Musiker pro Note verdienten. So lautet die Behauptung: Rossini habe mit jeder Note, die er in seiner Oper *Semiramide* schrieb, angeblich achtzehn Pence verdient. Nicht schlecht – bis man bedenkt, dass eine Sängerin noch besser wegkommt. Jedes Mal,…

  • Liszt, der „kleine Mozart“

    Franz Liszts Kindheit liest sich wie eine Fortsetzung der Mozart‑Legende. Sein Talent zeigte sich sehr früh, und sein erstes öffentliches Konzert gab er bereits mit neun Jahren. Kurz darauf spielte er vor einer Versammlung von Adligen im Palais des Fürsten Esterházy, wo sein Vater als Hilfs‑Steward tätig war. Der Eindruck war so groß, dass sechs…

  • Pattis Hund

    Primadonnen haben – wie viele weniger berühmte Menschen – oft ein Herz für Haustiere. Adelina Patti ganz besonders. Sie besaß ein winziges Hündchen einer seltenen mexikanischen Rasse, ein Geschenk eines der mexikanischen Präsidenten. Das Tierchen lebte im Luxus und begleitete die berühmte Sängerin überallhin. Auf einer Amerika-Tournee starb der Hund. Patti war untröstlich. Kurz darauf,…

  • Clementis Lektion in Sparsamkeit

    Heute wird Muzio Clementi oft auf „den Sonatinen-Komponisten“ reduziert – dabei war er zu seiner Zeit eine Schlüsselfigur der frühen Klaviergeschichte. Geboren 1752 in Rom, galt Clementi schon mit fünfzehn als bekannter Spieler und Komponist. Ein Engländer erkannte sein Talent, nahm ihn mit nach England und verschaffte ihm eine breitere Ausbildung. In London wurde Clementi…

  • Einprägsame Erinnerungen

    An anderer Stelle erzählt dieses Buch, wie Mozart, noch als Junge, Allegris berühmtes Miserere hörte und es so im Kopf behielt, dass er es später niederschreiben konnte. Er war nicht der Einzige mit einem solchen Geschenk (oder einer solchen Last). Da ist zum Beispiel der englische Musiker Battishill, dessen Gedächtnis so stark war, dass selbst…