Archiv: Anekdote
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Die Primadonna des 18. Jahrhunderts
Primadonnen gelten als dramatisch—doch im 18. Jahrhundert schien Exzentrik fast Pflichtprogramm zu sein. Eine der launischsten Sopranistinnen der Zeit hieß Gabriella. Als der Vizekönig in Palermo ein großes Dinner gab und sie als Ehrengast eingeladen war, blieb sie einfach im Bett und las. Ein Bote kam, die Gesellschaft warte; sie ließ ausrichten, sie habe die…
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Eine Geige retten
Ole Bull besaß eine geliebte Guarneri‑Violine, den “King Joseph”. Die größten alten Instrumente wurden wie Persönlichkeiten behandelt—und dieses war nicht nur klanglich kostbar: Bull hatte rund achthundert Pfund darin stecken. Auf einer Amerika‑Tour war er auf einem Ohio‑Dampfschiff, als das Unglück zuschlug. Der Kessel explodierte, riss den Bug weg und setzte die Kabinen in Brand.…
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Zerstreuter Beethoven
Konzentration ist für einen Komponisten eine Superkraft—bei Beethoven schlug sie manchmal in komplette Zerstreutheit um. Als er an der “Pastoral”‑Sinfonie arbeitete, ging er einmal in ein Restaurant und bestellte zu essen. Es dauerte, und seine Gedanken wanderten zurück zur Musik. Als der Kellner endlich kam, winkte Beethoven ab: “Danke, ich habe bereits gegessen.” Er legte…
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Field hereingelegt
1822 kam der gefeierte Pianist‑Komponist Johann Nepomuk Hummel mit dem Gefolge einer Großfürstin nach Moskau. Überall wurde er gefeiert—doch ein Detail nagte: John Field, der berühmteste Pianist Russlands, hatte ihn nicht besucht. Hummel ging schließlich selbst zu Field. Field unterrichtete gerade, also musste der Besucher warten. Hummel—klein, stämmig, schlicht gekleidet—wirkte wie ein deutscher Bauer; Field…
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Geistlicher Witz
Father Taylor, Prediger in der Seamen’s Bethel Church in Boston, hielt einmal eine Predigt über “gesellschaftliche Vergnügungen”. Ohne dass er es wusste, saß Jenny Lind—damals die große Sensation—unter seinen Zuhörern. Taylor wetterte gegen Kartenspiel, Tanz und Theater. Doch bei der Musik schlug er plötzlich einen anderen Ton an: Musik habe große Kraft im Gottesdienst. Er…
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Ein geduldiger Schüler
Kunst ist die langsamste Form von Meisterschaft. Man “will” sich nicht in Musik oder Malerei hinein—man wächst hinein. Die Abkürzungs‑Mentalität (“ein Jahr Unterricht und fertig”) produziert viel Lärm und wenig Kunst. Manche Institutionen behandelten Musik früher als das, was sie ist: ein langer Weg. Das Konservatorium in Mailand verlangte zum Beispiel, dass Studierende beim Eintritt…
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Napoleon von einer Sängerin ausgetrickst
Napoleon wollte alles seinem Willen beugen—Politik, Menschen, sogar die Kunst. Nachdem er die Star‑Sopranistin Madame Catalani gehört hatte, beschloss er: Sie verlässt Paris nicht. Er ließ sie in die Tuilerien kommen, fragte, wohin sie reise, und als sie “nach London” sagte, schnitt er sie ab: Sie bleibe in Paris—für 100.000 Francs im Jahr und zwei…
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Sture Komponisten
Große Komponisten gelten oft als “stur”, weil sie sich nicht dem Geschmack ihrer Zeit beugen. Manchmal schützt genau diese Sturheit das Werk: Ein Publikum kann kurzsichtig sein, Kritiker können irren, und echte Neuerung kommt meist zu früh. Doch es gibt auch einen Mittelweg—kleine praktische Änderungen, die die Kunst nicht verraten, aber eine Aufführung überhaupt erst…
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Ein Leben wie ein Abenteuerroman
William Vincent Wallace – der Komponist der leichten, populären Oper *Maritana* – führte ein Leben, das wie ein Abenteuerroman klingt. Geboren in Irland, heiratete er jung. Doch schon auf der Hochzeitsreise wurde seine Frau eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die er ihrer eigenen Schwester schenkte, die mitreiste. Das Paar trennte sich und traf sich nie wieder.…
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Nilsson und der Zeitplan des Schahs
Als der Schah von Persien 1873 England besuchte, stellte London ein prunkvolles Programm auf – darunter einen Opernabend mit „Best‑of“-Ausschnitten. Geplant waren: der 3. Akt von *La Favorita* (mit Titiens als Leonora), dann der 1. Akt von *La Traviata*, ein kurzes Ballett und der 1. Akt von *Mignon*. In *Traviata* und *Mignon* sollte Christine Nilsson…