Archiv: Anekdote

  • Bachs Abschrift im Mondlicht

    Der Name Bach wurde so sehr zum Synonym für Musik, dass ein alter Spruch von „zweihundertsiebenundvierzig Musikern namens Bach“ sprach—mehr als fünfzig davon berühmt. In manchen deutschen Städten bedeuteten „die Bachs“ schlicht „die Stadtmusikanten“. Und wenn man „Bach“ sagte, meinte man vor allem einen: Johann Sebastian. Nachdem Sebastian mit zehn Jahren seine Eltern verloren hatte,…

  • Im Unterricht bei Bülow

    Hans von Bülow galt als Lehrer, der noch schärfer war als Liszt. In Liszts Klassen flossen manchmal Tränen—doch sein Charme konnte Kritik abfedern. Bei Bülow blieb vor allem Angst. Er unterrichtete in großen Gruppen. Die Studenten saßen und warteten, bis Bülow ohne Vorwarnung jemanden ans Klavier rief. Der Auserwählte ging mit klopfendem Herzen nach vorn,…

  • Spohr lernt über Nacht Horn

    Louis Spohr—berühmt als Geiger und Komponist—war auch schlagfertig und einfallsreich. In seiner Autobiografie erzählt er eine Episode aus dem Jahr 1808, als Napoleon in Erfurt ein glänzendes Treffen der Herrscher veranstaltete. Zu den Festlichkeiten wurden Tragödien aus Paris mit dem Schauspieler Talma eingeladen. Spohr und einige Schüler liefen von Gotha nach Erfurt, nur um Talma…

  • Maras Rache

    Die Sängerin Madame Mara hatte einen Ehemann mit ernstem Trinkproblem. Sie war es, die den Haushalt trug, und jahrelang ertrug sie sein Verhalten still. Schließlich erfuhr der König davon. Um den Mann zu bestrafen, entfernte er ihn aus dem Posten als Cellist im Hoforchester und „beförderte“ ihn—grausam—zur großen Trommel in einer Regimentskapelle. Mara beschloss, die…

  • Chopins Technik-Test

    Mit Chopin begann am Klavier eine neue Epoche. Er schrieb so konzentriert für die Tastatur, dass das Orchester oft nur wie Beiwerk wirkte. Doch diese neue Klangsprache verlangte eine andere Technik—eine, die die ältere „Schule“ noch nicht vollständig entwickelt hatte. Selbst der gefeierte Virtuose Ignaz Moscheles gab nach Chopin zu, er könne Chopins Musik nicht…

  • Liszt über Mendelssohn

    Diese Episode soll „von Franz Liszt stammen“ und ist am besten mit Vorsicht zu genießen—vor allem die spitzen Bemerkungen. Dennoch zeigt sie, wie Liszt musikalische Rivalitäten gern erzählte. Liszt behauptet, Mendelssohn habe einmal den Teufel gezeichnet, der das g‑Moll‑Konzert mit fünf Hämmern pro Hand spiele. Der Anlass: Liszt sagt, er habe das Konzert aus dem…

  • Einige großzügige Musiker

    Große Musiker waren oft großzügig bis zur Selbstvergessenheit—manchmal sogar verschwenderisch. Zwei berühmte Beispiele sind Franz Liszt, der Superstar am Klavier, und Jenny Lind, die „Schwedische Nachtigall“: Beide gaben enorme Summen für wohltätige Zwecke. Eine Anekdote über Mozart bringt das auf den Punkt. Ein Bettler bedrängte ihn um Geld; Mozart fand in der Tasche keinen Pfennig.…

  • Wie Paganini zu seiner Lieblingsgeige kam

    Mit siebzehn lebte Niccolò Paganini bereits vom Applaus—und verzockte das Geld oft genauso schnell. Sobald er sich der strengen Kontrolle seines Vaters entzogen hatte, stürzte er sich in das damalige Nachtleben, vor allem ins Glücksspiel. Mehr als einmal verlor er in einer Nacht die Einnahmen mehrerer Konzerte; zeitweise musste er sogar seine eigene Geige verpfänden,…

  • Die Legende vom “Harmonious Blacksmith”

    Vielleicht kennst du die hübsche Legende zu Händels berühmtem Cembalo‑/Klavierstück, das man “The Harmonious Blacksmith” nennt. Die Geschichte: Ein Sturm überrascht Händel, er flüchtet in eine Schmiede, hört das rhythmische Hämmern—und verwandelt dieses Geräusch sofort in Thema und Variationen. Eine tolle Ursprungserzählung. Nur: überzeugend ist sie nicht unbedingt. Wenn man das Stück spielt und dann…

  • Höhen und Tiefen eines Sängers

    Italo Campaninis Weg begann nicht hinter Samtvorhängen, sondern in der Schmiede. Nach Garibaldis Krieg kehrte er nach Parma zurück (vierzehn war er, als er zur Armee ging) und arbeitete zwei Jahre in der Schmiede seines Vaters. Abends, nach zwölf Stunden Arbeit, bekam er Gesangsunterricht—Noten lesen konnte er nicht. In einer Weinstube spielten Wandermusiker das Miserere…