Archiv: Anekdote

  • Von Bülow als politischer Redner

    Hans von Bülow konnte dem Reden einfach nicht widerstehen—besonders nach Konzerten. Bei Recitals und Orchesterabenden hielt er gern Ansprachen und blieb dabei nicht immer bei der Musik. Mitunter wagte er sich in politische Tiraden—nicht immer zu seinem Vorteil. Einmal konnte er sich nicht verkneifen, den Kaiser zu brüskieren und seinen Ekel über die Entlassung von…

  • Mozarts scharfe Antwort an den Kaiser

    Viele große Komponisten profitierten von königlicher Gunst—Haydn etwa verdankte Fürst Esterházy sehr viel. Von Haydn bis Wagner lernten die Höfe im Lauf der Zeit zunehmend, musikalisches Genie zu schätzen. Doch Patronage hatte ihren Preis: Manche Musiker wurden unterwürfig, andere blieben unabhängig. Mozart gehörte zur zweiten Gruppe. Nach der ersten Aufführung seiner Oper *Il Seraglio* äußerte…

  • Zwei Arten von Rechnungen

    Musiker haben gelegentlich Glückssträhnen—doch solche Treffer sind so selten, dass man sie sich merkt. Die Geschichte von Paganinis Geschenk an Berlioz kennt fast jeder. Manche sind reich geboren, manche erarbeiten sich Vermögen, und nur wenige bekommen Geld regelrecht „zugesteckt“. So ging es dem Komponisten Michael William Balfe eines Tages in Paris. Er wollte von Paris…

  • Unfehlbares Vom‑Blatt‑Spielen ist unmöglich

    Man hört oft von Leuten, die angeblich „alles vom Blatt“ können. In Wirklichkeit ist unfehlbares Vom‑Blatt‑Spielen viel seltener, als solche Behauptungen vermuten lassen. Viele können fast alles lesen—aber „alles“ ist etwas anderes. Sogar Bach, dessen Lesefähigkeit und Ausführung man Liszt, Mendelssohn, Mozart und anderen überlegen nannte, begann einmal an seine Unbesiegbarkeit zu glauben. Er sagte…

  • Mendelssohn bei der Arbeit: schreiben und reden

    Johann Sebastian Bach hatte für Komponisten, die nichts schreiben konnten, ohne es vorher auf einer Taste auszuprobieren, einen spöttischen Namen: „Cembalo-Ritter“. Felix Mendelssohn gehörte offenbar zu einer ganz anderen „Ritterschaft“. Ein Freund besuchte ihn einmal und fand ihn mitten im Komponieren. Der Besucher wollte später wiederkommen, doch Mendelssohn winkte ab, bat ihn ins Arbeitszimmer und…

  • Eine doppelte Dosis Brahms

    Hans von Bülow war ein herausragender Dirigent—und berühmt-berüchtigt für seinen Starrsinn. In einer bestimmten Stadt bekam er fast immer lauten Beifall, egal was er spielen ließ. Einmal setzte er eine lange, anspruchsvolle Brahms-Symphonie aufs Programm. Brahms ist nicht gerade „leicht verdaulich“, und an diesem Abend klang der Applaus eher nach Erleichterung, dass das ausgedehnte Werk…

  • Händels Jugend: das Dachboden-Clavichord

    Händels Vater hatte einen Plan: Jura statt Musik. Instrumente waren tabu—also wich der Junge aus. Auf dem Dachboden stand ein altes Clavichord, und Händel schlich nachts hinauf, um zu spielen, wenn alle schliefen. Als er sechs war, reiste der Vater an den Hof eines Fürsten, bei dem ein Verwandter diente. Händel wollte nicht zurückbleiben, lief…

  • Eine Geige für achtzehn Pence

    Anderen musikalische Qualität zuzugestehen, ist nicht immer die Stärke von Profis. Doch es gibt eine fast komische Faustregel: Je größer das echte Können, desto schneller erkennt man es auch bei anderen. Wer ständig die Arbeit anderer herabsetzt, verrät meist vor allem sich selbst. Ein schönes Beispiel gab es bei Niccolò Paganinis erstem Auftritt in England.…

  • THE PECULIARITIES OF GENIUS

    Beethovens Genie kam mit maximalem Chaos. Fast taub hämmerte er trotzdem aufs Klavier, lief im Zimmer auf und ab und brüllte Melodien. Zum Abkühlen kippte er sich einen Krug Wasser über die Hände—und flutete die Zimmer darunter, sehr zur Freude der Vermieter. Er zog ständig um (manchmal zahlte er Miete für mehrere Wohnungen gleichzeitig), stürmte…

  • CHERUBINI AS A REVOLUTIONARY FIDDLER

    Paris, 1792: Cherubini machte einen Spaziergang und landete in den Händen eines revolutionären Mobs. Sie wussten, dass er für Könige gespielt hatte—also verlangten sie Musik für sich. Als er sich weigerte, schrien sie „Royalist!“ (damals ein brandgefährliches Etikett). Ein anderer Musiker drückte ihm eine Geige in die Hand: Wenn du leben willst, spiel. Cherubini spielte…