Von Bülow als politischer Redner
Hans von Bülow konnte dem Reden einfach nicht widerstehen—besonders nach Konzerten. Bei Recitals und Orchesterabenden hielt er gern Ansprachen und blieb dabei nicht immer bei der Musik. Mitunter wagte er sich in politische Tiraden—nicht immer zu seinem Vorteil.
Einmal konnte er sich nicht verkneifen, den Kaiser zu brüskieren und seinen Ekel über die Entlassung von Fürst Bismarck auszudrücken, den er zutiefst bewunderte. Zwei Jahre vor seinem Tod trat Bülow zum letzten Mal als Leiter der Philharmonischen Konzerte in Berlin auf. Das Programm endete mit Beethovens „Eroica“.
Nach der Aufführung hielt der exzentrische Dirigent eine Rede. Er tadelte die Deutschen, weil ihnen der nötige Geist fehle, ein Beethoven‑Denkmal zu errichten—so dass Liszt, ein Ungar, es übernehmen musste. Er erinnerte daran, dass die „Eroica“ zunächst Napoleon gewidmet war und Beethoven die Widmung nach der Enttäuschung durch Napoleon in die eines österreichischen Fürsten änderte.
Dann setzte er nach: Wenn Beethoven heute lebte, wüssten Musiker genau, wem die Widmung gälte—dem Mann, der für die Deutschen am meisten getan habe, dem „Beethoven der Politik“: Fürst Bismarck.
Nach dem Lob zog Bülow ein Taschentuch hervor, staubte damit seine Schuhe ab und verließ die Bühne—eine klare Spitze gegen den Kaiser, der Bismarck kurz zuvor entlassen und öffentlich erklärt hatte, wer seine Politik nicht möge, könne den Staub Deutschlands von den Schuhen schütteln und gehen.