Eine abrupte Modulation – aber bitte mit Grund
Eine klassische Trennlinie zwischen „alter“ Oper und moderner Schule ist die Modulation – wie oft und wie plötzlich die Musik die Tonart wechselt. Mozart, Cimarosa, Spontini und andere modulierten vergleichsweise selten, und wenn sie die Grundtonart verließen, geschah das klar und formal.
Im späteren Stil – bei Wagner, Mascagni und auch beim älteren Verdi – wurden abrupte Sprünge häufiger. Wagner meinte, ein Komponist dürfe nicht in eine saubere Kette von Tonarten gezwängt werden, sondern müsse frei sein, „in einem Meer von Tönen zu schwimmen“. Das Problem: Nicht jeder kann dort schwimmen, wo Wagner es kann; viele, so spottete man, gehen in diesem „Meer“ unter.
Schon zu Grétrys Zeiten stritt man über Vor‑ und Nachteile solcher Sprünge. Ein Musiker fragte ihn, warum er diese plötzlichen Tonartwechsel nicht öfter benutze. Grétry antwortete: doch – aber nur, wenn er einen Grund habe.
„Was für einen Grund?“, bohrte der andere nach.
Grétry malte ein Bild: Stell dir vor, ein verliebter Jüngling macht einem Mädchen den Hof, obwohl der Vater es streng verboten hat. Wenn der Vater sich von hinten anschleicht und den Liebhaber mit einem kräftigen Tritt überrascht – dann, versicherte Grétry, werde er sehr abrupt modulieren.
Kurz: Eine plötzliche „Änderung der Basis“ verdient eine plötzliche Tonartänderung.