Farinelli singt einen König zurück in den Alltag
Man sagt, Musik habe die Kraft, selbst das Wilde zu besänftigen. Ein berühmtes Beispiel ist David, der König Saul mit seinem Spiel beruhigt. Eine andere Geschichte erzählt vom Einfluss des gefeierten Tenors Farinelli auf Philipp V. von Spanien.
Philipp litt an einer milden Form von Wahnsinn. Er weigerte sich, sich ordentlich anzuziehen oder rasieren zu lassen, und er wollte keine Staatsgeschäfte erledigen. Er wirkte unkinglich und war in seiner Rolle praktisch nutzlos. Zahlreiche Mittel und Pläne wurden versucht—ohne Erfolg.
Schließlich schlug man Musik vor, denn der König war besonders empfänglich dafür. Ein Bote wurde zu Farinelli geschickt. Der Plan war einfach: Er sollte in einem Zimmer neben den königlichen Gemächern singen. Nach dem zweiten Lied war der König sichtbar gerührt und ließ den Sänger zu sich bringen. Philipp überschüttete ihn mit Komplimenten und bot an, ihm jeden Wunsch zu erfüllen.
Farinelli bat nur darum, dass der König sich ordentlich versorgen lasse und zu seinen Pflichten zurückkehre. Philipp willigte ein. Begeistert engagierte er den Sänger, ihm jeden Abend vier Lieder zu singen, und zahlte ihm das Äquivalent von 2.000 Pfund pro Jahr auf Lebenszeit.
Zehn Jahre blieb Farinelli in Philipps Dienst und sang jeden Abend dieselben vier Lieder. Unter Philipps Nachfolger Ferdinand VI., der an derselben Schwäche litt, behielt Farinelli seine Stellung, wurde zum Lieblingskünstler des Königs und sammelte Macht und Reichtum. Unter dem nächsten Monarchen wurde er jedoch angewiesen, das Königreich zu verlassen.