Rossini hört das Unmögliche

Jahrhundertelang hatte die Flöte ihren Ruf: In manchen Tonarten brillant, in anderen nahezu unbrauchbar. Vor etwa 1835 waren bestimmte Tonleitern, Triller und schnelle Läufe so unhandlich, dass kluge Komponisten sie schlicht nicht schrieben.

Dann kam Theobald Boehm. Durch eine neue Bauweise und ein neues Klappen‑ und Griffsystem machte er alle Tonleitern und Triller möglich—und vor allem unter den Fingern ungefähr gleich „natürlich“.

Um Akzeptanz zu gewinnen, reiste Boehm nach London und Paris; in Paris suchte er die Unterstützung von Gioachino Rossini. Man führte ihn in Rossinis Garderobe, während der Komponist sich rasierte. Boehm sollte im Nebenzimmer warten.

Plötzlich hörte Rossini eine Flöte Dinge tun, die er für unmöglich hielt: lange, schnelle Passagen in Tonarten wie Des‑Dur, sauber und mühelos. Er konnte nicht widerstehen—stürmte ohne Perücke, das Gesicht voller Seifenschaum, herein und rief: „Das können Sie nicht spielen!“

Boehm antwortete ruhig: „Aber ich spiele es.“

„Mir egal, ob Sie es spielen“, fuhr Rossini ihn an. „Es ist vollkommen unmöglich!“

Am Ende ließ Rossini sich überzeugen. Und Boehms Flöte—früher in manchen Tonarten „unmöglich“—wurde zum Instrument der Virtuosen weltweit.