Haydns vornehmer englischer Schüler

Haydn gefiel vieles an London, aber es gab mindestens eine Art von „Schüler“, die er vermutlich gern hinter sich gelassen hätte – auch wenn es solche Leute sicher ebenso in Wien gab.

Eines Tages kam ein Adeliger zu ihm, schwärmte von Musik und bot an, ein paar Kompositionsstunden zu nehmen – für eine Guinea pro Stunde. Haydn sagte zu und fragte, wann sie beginnen sollten.

„Sofort, wenn Sie nichts dagegen haben“, meinte der Mann und zog eines von Haydns Quartetten aus der Tasche. „Für die erste Stunde gehen wir dieses Quartett durch. Erklären Sie mir die Gründe für einige Modulationen und Fortschreitungen – besonders für jene, die gegen alle Regeln der Komposition verstoßen.“

Haydn setzte sich höflich hin und arbeitete die Partitur mit ihm durch. Auf die Frage, warum er dies oder jenes getan habe, antwortete er ehrlich: weil er damit eine gute Wirkung erzielen wollte. Doch „my lord“ war damit nicht zufrieden. Wenn der Komponist keinen besseren Grund für seine „Neuerungen“ liefern könne, erklärte er sie für wertlos.

Haydn schlug vor, der Herr möge die Stellen doch nach eigener Art umschreiben. Das lehnte er ab, bestand aber weiter auf der Frage: „Wie kann das Beste gegen alle Regeln sein?“ Schließlich verlor Haydn die Geduld.

„Mein Lord“, sagte er, „ich sehe, dass Sie so gütig sind, mir Unterricht zu erteilen. Ihren Unterricht brauche ich nicht. Ich bin nicht würdig, die Ehre zu haben, einen solchen Meister wie Sie zu besitzen. Guten Morgen, mein Lord.“ Und er wies den selbsternannten Kritiker zur Tür hinaus.