Irische Begeisterung
Am letzten Abend ihrer Konzertserie in Dublin 1868 bekam die Sopranistin Mlle. Titiens Ovationen, wie sie selbst Opernstars selten erleben. Nach der Arie „Ocean, Thou Mighty Monster“ aus Webers *Oberon* sprang das Publikum auf: Einige riefen nach einer Wiederholung, andere nach irischen Liedern. Sie entschied sich für „The Last Rose of Summer“, doch das Orchester hatte keine Noten. Ein kleines Klavier wurde auf die Bühne geschoben, der Dirigent kletterte aus dem Orchestergraben — und auf der schrägen Bühne kippte das Klavier um. Hinter den Kulissen stürmten mehrere „Teufel“ im Kostüm heraus und stellten es wieder auf.
Nach der Oper schnitten Studenten vor dem Bühneneingang die Pferdegeschirre durch, banden zwei lange Seile an und zogen die Kutsche selbst durch die Straßen – wie einen Triumphzug, inklusive Feuerwerk. An einer Ecke zogen zwei Gruppen in entgegengesetzte Richtungen, die Kutsche krachte gegen ein Gebäude, dann einigte man sich auf die Route. Vor dem Hotel legten sie ihre Mäntel als Teppich aus und riefen über eine Stunde nach einem Lied; die Polizei konnte sie nicht vertreiben. Erst als Titiens am Fenster noch einmal „Last Rose“ versprach – unter der Bedingung, sofort „mäusestill“ nach Hause zu gehen – löste sich die Menge wie durch Zauberhand auf. Die Rechnung für die „ausgeliehenen“ Pferde bekam der Manager, Colonel Mapleson: Zurückgebracht wurden sie nicht.