BERLIOZ UND PAGANINI

Berlioz ging es wie vielen Komponisten: Geld war ständig knapp. Er kämpfte dauernd ums Überleben und musste oft mit dem Schreiben die Rechnungen bezahlen.

Doch sein Genie – und seine Not – blieben nicht unbemerkt.

Einmal dirigierte er in einem Konzert seine „Childe Harold“-Sinfonie, und es war ein großer Erfolg. Danach saß er erschöpft da, als ein großer, dunkler Mann – dürr wie ein Skelett – auf ihn zukam. Vor dem Orchester kniete er nieder und küsste Berlioz die Hand.

Es war Paganini.

Am nächsten Morgen brachte Paganinis Sohn einen Brief und die Anweisung: „Papa will, dass Sie das erst lesen, wenn Sie allein sind.“ Dann war er weg.

Als Berlioz den Brief öffnete, schrieb Paganini, seit Beethoven tot sei, könne Berlioz allein ihn „wiederbeleben“. Als Zeichen der Huldigung solle er das Beiliegende annehmen.

Beigelegt war ein Zahlungsauftrag auf das Haus Rothschild über 20.000 Francs.

Berlioz war überwältigt – ein fürstliches Geschenk. Vier Dankesbriefe schrieb er und riss sie wieder entzwei, bis ihm einer angemessen erschien. Das Geld – in der Erzählung etwa achthundert Pfund – half ihm enorm.

Und Berlioz erfuhr nie, dass die Summe nicht aus Paganinis eigener Tasche stammte.

Berlioz bekam das Geld. Paganini bekam den Ruhm des Schenkenden.