Zwei Arten von Rechnungen

Musiker haben gelegentlich Glückssträhnen—doch solche Treffer sind so selten, dass man sie sich merkt. Die Geschichte von Paganinis Geschenk an Berlioz kennt fast jeder. Manche sind reich geboren, manche erarbeiten sich Vermögen, und nur wenige bekommen Geld regelrecht „zugesteckt“.

So ging es dem Komponisten Michael William Balfe eines Tages in Paris. Er wollte von Paris nach Italien aufbrechen; die Kutsche stand bereit, Balfe stieg ein, und im letzten Moment kam ein Herr herbeigeeilt und überreichte ihm ein kleines Päckchen. Balfe solle es annehmen—aber erst öffnen, wenn er längst unterwegs sei.

Balfe willigte ein… und kaum war der Fremde weg, siegte die Neugier. Er riss das Päckchen auf: heraus fielen ein Brief und ein 1.000‑Franc‑Schein. Der Schreiber erklärte, Balfes Talent habe ihn begeistert; um dem jungen Komponisten zu helfen, wage er es, das Geld zu schicken. Da Balfes Kasse gerade fast leer war, fühlte sich das wie pures Glück an.

Dann wechselte das Glück die Seite. Ein zweiter Fremder erschien mit einer weiteren Nachricht—diesmal mit der Bitte um sofortige Aufmerksamkeit. Balfe öffnete sie und rechnete fast mit einem weiteren Geldregen. Stattdessen fiel eine Rechnung heraus: über 600 Francs, sofort zu bezahlen. Seufzend gab er den 1.000‑Franc‑Schein hin und steckte das Wechselgeld ein.

Dann brach er hastig auf, aus Angst vor weiteren „Noten und Rechnungen“—nur eben nicht von der freundlichen Sorte. Und er dachte: Hätte er seine Neugier nur ein paar Minuten länger gezügelt, hätte er ehrlich sagen können, er könne nicht zahlen—und später festgestellt, dass er im Besitz der vollen 1.000 Francs war.