Höhen und Tiefen eines Sängers
Italo Campaninis Weg begann nicht hinter Samtvorhängen, sondern in der Schmiede.
Nach Garibaldis Krieg kehrte er nach Parma zurück (vierzehn war er, als er zur Armee ging) und arbeitete zwei Jahre in der Schmiede seines Vaters. Abends, nach zwölf Stunden Arbeit, bekam er Gesangsunterricht—Noten lesen konnte er nicht.
In einer Weinstube spielten Wandermusiker das Miserere aus Verdis Il Trovatore. Campanini sang mit, und ein kleiner alter Mann fragte: “Wer hat den Tenor gesungen?” Es war Maestro Dall’Argini. Am nächsten Tag sang Campanini nach Gehör Ausschnitte aus Il Trovatore und La Sonnambula; der Maestro bot kostenlosen Unterricht an.
Der Vater schimpfte: Oper sei ein Bettlerberuf. Campanini blieb dran, bekam kleine Rollen, doch Lampenfieber zerstörte die erste. Als man ihn verspottete (“Buckliger!”), konterte er: “Lacht nur jetzt—später lache ich.” Das kostete ihn das Engagement.
Dann Russland: fünf Jahre Provinz‑Tour für vier Lire am Tag. Eine Revolte schloss das Theater, der Manager verschwand, Gepäck weg—Campanini ohne Geld auf der Straße. Er verkaufte den Mantel, um zwei Tage zu essen; ein Benefizkonzert rettete ihn.
Er lernte: Stärken und Schwächen kennen und die Stimme kompromisslos entwickeln. In Mailand studierte er ein Jahr “Tag und Nacht” bei Francesco Lamperti und bekam erste Tenorrollen an der Scala. Sein Faust‑Debüt brachte den Ruf: “Bravo, Campanini!” Und er schloss: “Es gibt fünfzig Arten zu hungern, aber am Ende nur eine Art zu speisen.”