Musikkritik
Wenn Musikreporter jede Woche neue Komplimente erfinden müssten, wären viele schnell am Ende. Außerhalb großer Städte wird vom Konzertberichterstatter oft kein musikalisches Wissen verlangt; Rezensionen schrumpfen dann zu Floskeln: „Fräulein A spielte schön“, „Fräulein B sang süß“, „Frau C zeigt das Ergebnis fleißiger Übung“, „Herr D sang wie immer angenehm“ — und so weiter, bis zum Überdruss.
Ein Kritiker umging das Problem mit einem einzigen Satz: „Das Spiel von Fräulein F war ein gutes Beispiel für die Methode ihres Lehrers.“ Später erklärte er Freunden, die Methode sei — erbärmlich.
Früher klang Kritik oft viel blumiger. Samuel Pepys beschrieb in seinem Tagebuch, wie ihn die Bläsermusik beim „Herabkommen des Engels“ so sehr ergriff, dass sie seine Seele „einwickelte“ und ihn fast körperlich krank machte — wie die alte Übelkeit des Verliebtseins. Er ging nach Hause, konnte an nichts anderes denken und nahm sich vor, selbst Bläsermusik zu lernen — und seine Frau ebenfalls dazu zu bewegen.