Äußeres Erscheinungsbild

Kleidung und Pflege können Persönlichkeit signalisieren—aber sie taugen kaum als Messgerät für musikalisches Genie. Ein geschniegelt wirkender Herr kann musikalisch genauso stark sein wie der wildhaarige „Beethoven‑Typ“, und ein schlaksiger, unbeholfener Mensch kann die Seele eines Mozart oder Chopin in sich tragen.

Wer an Klischees glaubt, wird bei den Meistern enttäuscht. Bach stellt man sich gern so ordentlich gekleidet vor wie er kontrapunktisch dachte (auch wenn zwanzig Kinder den Kleideretat wohl gedrückt haben). Haydn und Mozart waren geschniegelt; Beethoven und Schubert kümmerten sich wenig um Äußerlichkeiten. Mendelssohn kleidete sich aristokratisch, Liszt ebenfalls—nur wirkte Mendelssohn feiner, während Liszt die Haltung eines kommandierenden Generals hatte.

Am witzigsten ist Chopin. Später wurde er fast zum musikalischen Dandy, doch in jungen Jahren war ihm Mode ziemlich egal. 1831 schrieb er aus Wien nach Hause und erklärte seinen Kompromiss: Freunde staunten, wie „anständig“ er aussah, weil er die Koteletten nur auf der rechten Wange trug.

Warum nur rechts? Chopins Logik war simpel: Er saß beim Spielen immer mit der rechten Seite zum Publikum—also wozu links überhaupt Koteletten?