Hohe Kunst
Selbst Theaterleute — an gutes Spiel und künstlich dargestellte Gefühle gewöhnt — können von echter Kunst überwältigt werden.
In Rom passierte das dem Sänger Gaspare Pacchierotti, einem berühmten Vokalisten des letzten Jahrhunderts. In einer Oper sang er so schön und so wahrhaftig, dass nach einer Solo‑Stelle, auf die eigentlich ein kurzer orchestraler Zwischensatz folgen sollte, das Orchester schlicht vergaß weiterzuspielen.
Pacchierotti drehte sich zum Dirigenten: „Was treiben Sie da?“
Der Leiter fuhr zusammen wie aus einem Traum und brachte nur hervor: „Verzeihen Sie.“ Das ganze Orchester saß mit Tränen in den Augen da — völlig vergessend, was es zu tun hatte.