Beethovens erster Triumph

Giacomo Meyerbeer erzählte gern eine Geschichte über Beethoven—eine Geschichte, die zeigt, wie schnell sich echtes Talent zu erkennen gibt.

Beethoven war noch keine sechzehn Jahre alt, als ihn die Familie von Breuning in Bonn zu einem Abend unter Musikern einlud. Anwesend waren unter anderem der Kapellmeister Ries, die Brüder Romberg, Graf Waldstein und weitere Mitglieder der Hofkapelle. Nachdem verschiedene Stücke gespielt worden waren, stand Waldstein auf und erklärte, er habe ein Trio‑Manuskript erhalten und würde es gern hören—doch den Namen des Komponisten wolle er erst nach der Aufführung verraten.

Er rief die beiden Rombergs und den jungen Beethoven auf, es prima vista zu spielen. Sie taten es, und das Trio wirkte sofort originell, kraftvoll und voller Leben. Es gab Bewunderung und sofortiges Rätselraten: „Zu leidenschaftlich für Haydn“, meinten einige; „zu düster für Mozart“, sagten andere. Ries fügte hinzu, der Komponist verstehe sein Handwerk.

Dann lüftete Waldstein das Geheimnis: Der Komponist sei der junge Beethoven, der da gerade mitgespielt hatte. Die älteren Musiker waren zunächst verblüfft, dann begeistert; sie drängten sich um ihn und gratulierten herzlich. Beethoven aber ging, beflügelt von seinem ersten Triumph als Komponist, voller Inspiration nach Hause.