Clementis Lektion in Sparsamkeit

Heute wird Muzio Clementi oft auf „den Sonatinen-Komponisten“ reduziert – dabei war er zu seiner Zeit eine Schlüsselfigur der frühen Klaviergeschichte.

Geboren 1752 in Rom, galt Clementi schon mit fünfzehn als bekannter Spieler und Komponist. Ein Engländer erkannte sein Talent, nahm ihn mit nach England und verschaffte ihm eine breitere Ausbildung. In London wurde Clementi rasch zu einem der führenden Musiker seiner Epoche. Er schrieb einige der frühesten Werke, die ausdrücklich für das Pianoforte gedacht waren – auf dieser Grundlage entwickelte sich später die moderne Schule des Klavierspiels.

Bei einem Wien‑Besuch arrangierte Kaiser Joseph II sogar ein musikalisches „Duell“ zwischen Mozart und Clementi – so ausgeglichen, dass man keinen Sieger bestimmen konnte.

Später kaufte Clementi Anteile an einer Londoner Firma für Instrumentenbau und Musikverlag und häufte dank Energie, Geschäftssinn und legendärer Sparsamkeit trotz Rückschlägen ein Vermögen an. Louis Spohr liefert die perfekte Szene dazu: In St. Petersburg besuchte er Clementi und dessen Schüler John Field – und fand beide am Waschzuber, wie sie ihre Strümpfe selbst schrubbten. Clementi schaute kaum auf und riet Spohr, es genauso zu machen: Wäsche waschen sei dort teuer, und die Methode ruiniere zudem das Leinen.